Meschede. Irgendwann hat Valentina (15) beschlossen Hilfe anzunehmen. Die Schule, das Praktikum, die fremde Sprache – wenn dann auch die Eltern nicht helfen können… Jetzt ist da jemand, den sie fragen kann: vor dem Vorstellungsgespräch, bei der Praktikumsmappe, bei Problemen. Mit einer Ausbildungspatin wie Sabine Schemme ist man eben weniger allein, findet Valentina: „Und mehr Spaß macht es auch. Viel besser als allein vor dem PC zu sitzen.“
Jugendlichen die Berufswahl und die Suche nach einem Ausbildungsplatz erleichtern, sie auf dem Weg ins Berufsleben begleiten – mit diesem Ziel haben die Stadtteilkonferenz Meschede Nord und das Lokale Bündnis für Familie Anfang 2008 das Projekt „Ausbildungspatenschaften – Jugend braucht Erfahrung” ins Leben gerufen. Inzwischen kümmern sich etwa zehn Ausbildungspaten, unterstützt von Michael Rosenkranz von der Caritas und Anne Wiegel von der Stadt Meschede, ehrenamtlich um Schülerinnen und Schüler von Franz-Stahlmecke- und Elisabethschule. Ihre Aufgaben sind vielfältig: Sie helfen bei der Stellensuche, motivieren, beraten oder begleiten und fördern so zum Beispiel auch die Eigeninitiative der Jugendlichen.
„Nicht zu hohe Erwartungen zu haben, das ist wichtig“, sagt Sabine Schemme. „Außerdem kann ich hartnäckig sein. Auch das hilft.“ Immer wieder ruft sie an, hakt nach, kümmert sich: „Früher oder später merken die Jugendlichen: Die lässt mich nicht in Ruhe, die interessiert sich wirklich für mich – dann läuft es meistens.“ Dabei ist die Beziehung zwischen Pate und Schüler stets freiwillig, niemand muss sich helfen lassen, es ist ein Angebot, mehr nicht. Eines, das Valentina gern annimmt: „Sie meldet sich oft, ist überhaupt sehr fleißig, auch in der Schule läuft es gut“, schwärmt Sabine Schemme. Dabei hat Valentina bis vor knapp vier Jahren noch in Kasachstan gelebt, kam ohne ein Wort Deutsch nach Meschede – das ist heute anders. „Mittlerweile spreche ich kasachisch, russisch, türkisch, englisch – und eben auch deutsch“, erzählt sie stolz und fast akzentfrei.
Ihre Unterstützung macht für Valentina vieles leichter, davon ist Sabine Schemme überzeugt. Gemeinsam suchen sie nach einem Praktikumsplatz, arbeiten an dem dazugehörigen Bericht, reden über die Schule und die Zukunft. „Gerade bei der Stellensuche ist es hilfreich, wenn der Arbeitgeber sieht, dass da ein Erwachsener im Hintergrund ist, ein Ansprechpartner für beide Seiten“, glaubt Sabine Schemme Dabei ist die Ausbildungspatin auch selbst berufstätig, arbeitet als freiberufliche Dozentin für Sprachen. „Das lässt sich prima mit meinem Ehrenamt vereinbaren“, sagt die Meschederin. „Als Patin bin ich flexibel und kann mich zum Beispiel am frühen Abend mit dem Jugendlichen treffen, oder auch mal am Wochenende.“
Valentina weiß inzwischen, was sie einmal machen möchte, später, nach der Schule. „Nein, keine Ausbildung, ein Studium.“ Sie möchte Psychotherapeutin werden, am liebsten für Jugendliche. „Ich habe einfach Lust, jungen Leuten zu helfen“ – vielleicht ja auch als Ausbildungspatin, irgendwann.

Ausbildungspatin
Infokasten: Die Patenschaften, die derzeit an der Franz-Stahlmecke- und der Elisabethschule laufen, beginnen in der Regel mit dem achten Schuljahr und enden etwa ein Jahr nach Ausbildungsbeginn. Unterstützt werden ehrenamtlichen Patinnen und Paten darüber hinaus mit Einführungsseminaren, gemeinsamen Treffen und Beratung. Wer gern eine Patenschaft übernehmen oder das Projekt näher kennenlernen möchte, ist herzlich zum nächsten Patenstammtisch am Donnerstag, 16. Juni, um 18 Uhr in der „Offenen Tür“ eingeladen. Mehr Informationen erhalten Interessierte bei Anne Wiegel, Mitarbeiterin im Fachbereich Generationen, Bildung, Freizeit der Stadt Meschede, unter Tel.: 0291/205-164.